Die Konsequenzen

Das Ignorieren dieser Umstände bringt eine unvollständige Verbrennung mit sich, die zu sogenannten Verkokungen an Kolbenringen und Düsen führt. Das kann Ausmaße annehmen, die ein „Zuwachsen“ der Düsenöffnungen bewirken, bis gar kein Nebel, sondern ganze Tropfen in den Zylinder fallen. Ein solcher Tropfen Pflanzenöl auf dem heißen Kolbenboden, kann einen irreversiblen Kolbenschaden verursachen.

Ältere Motorensysteme wie Vor- und Wirbelkammermotoren mit Reiheneinspritzpumpen sind in Ihrer Robustheit den modernen Dieselmotorkonzepten überlegen und deshalb in der Lage gewisse Abweichungen bei den Kraftstoffeigenschaften zu kompensieren. Der in der Tabelle aufgeführte Viskositätswert zeigt, dass es sich hier um ein Toleranzspektrum von 1400% handeln müsste, um sich innerhalb akzeptabler Grenzen zu bewegen. Dass dies kaum der Fall sein kann, wird auch einem “Nicht-Techniker” sofort klar. Schäden oder Verkürzungen der Lebensdauer werden also an irgendeinem der für die Funktion relevanten Motorenteile unumgänglich provoziert.

Es gibt Fahrzeuge, die hohe Kilometerleistungen ohne Umrüstung mit Pflanzenöl erreicht haben. Bei diesen Fahrzeugen sind aber die Einsatzbedingungen die ausschlaggebenden Gründe. Es handelt sich hierbei in aller Regel um Fahrzeuge, die entweder vom Start weg nur Langstrecken fahren oder nur im Sommer betrieben werden oder im günstigsten Fall vom Hersteller mit Bauteilen versehen wurden, die den Betrieb mit schwierigen Kraftstoffen gewollt oder ungewollt mit tolerierbaren Einschränkungen der Lebenserwartung begünstigen. Es handelt sich dabei ausnahmslos um ältere Fahrzeuge mit Vor- oder Wirbelkammermotor, deren Anteil am Gesamtbestand von Dieselfahrzeugen unter 5% liegt.

Motoren mit Direkteinspritzung arbeiten im Kraftstoffsystem mit Drücken von bis zu 2400 bar. Die zu erwartenden Folgen des Einsatzes pflanzlicher Öle als Kraftstoff ohne Umrüstung in diesen Motoren bedürfen somit keiner gesonderten Erwähnung.

Eine andere Variante des Fahrens mit Pflanzenölen als Kraftstoff ist das Mischen mit Dieselkraftstoff. Das Mischungsverhältnis ist hierbei entscheidend für den die Lebenserwartung des Motors verkürzenden Anteil.

Die dritte Variante ist der Einsatz von Biodiesel. Wir vernachlässigen es, auf diese Form des Pflanzenöleinsatzes näher einzugehen, da die damit verbundenen unüberwindbaren Probleme in Bezug auf Tauglichkeit, Ökonomie und Ökologie durch die Medien und die Erfahrungen ehemaliger Nutzer hinreichend bekannt sind.

Ein anderes Problem ist dringlicher zu erläutern. Es handelt sich hierbei um die Polymerisation oder Verseifung des Motoröls. In einem Motor, der noch keine Betriebstemperatur erreicht hat, kann zwischen Kolben und Zylinderwand bis zur thermischen Anpassung beider Materialien unverbrannter Kraftstoff hindurch in das im Kurbelwellengehäuse befindliche Motoröl gelangen. Dieselkraftstoff würde mit der Zeit wieder verdunsten, Pflanzenöl jedoch nicht. Sein Anteil im Motoröl würde allmählich zunehmen und die Eigenschaften des Motoröls, im schlimmsten Fall bis zur Unbrauchbarkeit, verändern. Das kann mit einem kapitalen Motorschaden enden. Dieser Umstand verdeutlicht, dass auf den Einsatz von Pflanzenölen als Kraftstoff bei nicht betriebswarmem Motor, insbesondere bei Motoren der neueren Generationen, zu verzichten ist.